BegegnungeN

Prof. RIchard Roach

Als Professor für interne Medizin an der Western Michigan Universität in den Vereinigten Staaten reist Richard seit 2001 jedes Jahr mit jungen Doktoren und Studenten nach Madagaskar, um die lokalen Krankenhäuser zu unterstützen und dabei mehr über tropische Krankheiten zu erfahren. Als begeisterter Chemiker konnte er uns bei unserem Treffen einen spannenden Einbklick in das Geheimnis des natürlichen Bourbon-Aromas geben.


Interview mit Richard Roach:

 

F: 15.000 Kilometer liegen zwischen Michigan und Madagaskar. Was hat dich zum ersten Mal hierher geführt und warum kommst du seit 18 Jahren immer wieder zurück?

 

Zum ersten Mal kam ich als Student im Jahr 1976 nach Madagaskar. Ich arbeitete im Manambaro Hospital mit den lokalen Ärzten, um mein Wissen über tropische Krankheiten zu verbessern. Zu dieser Zeit kam ich auch das erste Mal  mit der Bourbon-Vanille in Kontakt, da diese auch im südöstlichen Teil der Insel angebaut wird.

 

F: Wie erleben deine Studenten Ihre Aufenthalte in Madagaskar?

 

Sie arbeiten hier stets zusammen mit madagassischen Ärzten, die einen großen Erfahrungsschatz im Bereich der tropischen Krankheiten haben. Dieses Praxis-Wissen lässt sich durch nichts ersetzen. Für Sie ist es auch eine tolle Gelegenheit, eine neue Kultur kennen zu lernen.

 

F: Wie beurteilst du die medizinische Situation auf Madagaskar?

 

Das Land hat leider eine Vielzahl an schwerwiegenden Problemen. Die staatlichen Krankenhäuser leiden unter einer schlechten Versorgung mit Medikamenten und die meisten ausgebildeten Mediziner ziehen es vor, in den urbanen Regionen zu arbeiten. Die größte Sorge jedoch ist die Wasserversorgung. Eine Studie des Institut Pateur [IP] hat aufgezeigt, dass die Frauen in den ländlichen Gegenden im Durchschnitt 16 km pro Tag laufen, um ihre Familien mit Wasser zu versorgen. Durch die schlechte Wasserqualität sind Magen-Darm Probleme bei Kindern noch im ein Hauptfaktor für Todesfälle.  Bei den Erwachsenen ist die Hauptursache Schlaganfälle aufgrund von unbehandeltem Bluthochdruck. An dieser Situation muss noch viel verbessert werden.

 

 

F: Neben deinem medizinischen Fachgebiet hast du auch eine Passion für die Chemie. Was ist aus der chemischen Perspektive das Besondere am Aroma der Bourbon-Vanille ?

 

Bevor ich mich der Medizin gewidment habe, habe ich einen Abschluss in Chemie an der Universität in Minnesota gemacht. Die chemische Struktur der Vanille ist faszinierend und enzigartig, da sich ihr Aroma erst in der dreimonatigen Fermentierung nach der Ernte entwickelt. Neben dem Wechsel von Sonneneinstrahlung und Schatten müssen die Schoten monatelang immer wieder von Hand massiert werden, damit die chemischen Strukturen aufbrechen und das Aroma sich weiter entwickeln kann. Die dadurch entstehenden Verbindungen sind einzigartig. Sie leiden jedoch stark wenn versucht wird, den Prozess durch industrielle Einwirkungen zu beschleunigen. Dieses Wissen ist in der madagassischen Kultur tief verankert, weshalb die Qualität Bourbon-Vanille immer etwas ganz besonderes sein wird.

 

 

F: Chemie bildet auch die Grundlage für künstliche Aromen. Kann künstliche Vanille das Niveau des natürlichen Aromas erreichen?

 

Das wird nie der Fall sein und dafür gibt es einen einfachen Grund: Künstliche Vanille ist ein einfacher, aromatischer Kohlenwasserstoffstrang. Das komplexe Aroma und der Geruch der Vanille entstehen aber erst dadurch, dass während der Fermentierung eine Vielzahl von artverwandten Strängen ausgebildet werden, die sich nicht reproduzieren lassen.

 

 

Wir freuen uns schon darauf, Richard bei unserem nächsten Besuch auf Madagaskar wieder zu treffen!